"Darf ich mitspielen?" @ 23 Aug 2018
Am Sonntag, 26. August, startete unser außergewöhnliches Theaterprojekt "Darf ich mitspielen?" – Identität, Zugehörigkeit, Ausgrenzung. Die Teilnehmer, die für fünf Tage in Diez zusammentrafen, gehörten drei verschiedenen Gruppen an: jüdische Jugendliche, die in Jugenddörfern in Israel leben und teils unterschiedliche Zuwanderungshintergründe haben, Angehörige der Sinti/Roma, die in Deutschland leben, sowie Jugendliche der deutschen Mehrheitsbevölkerung, Schüler der Anne-Frank-Schule, Frankfurt.

Ziel des Projekts war es, einerseits in gemeinsamen Aktivitäten und Theaterworkshops in einen Dialog zu treten und Unterschiede und Gemeinsamkeiten der drei Gruppen bewusst zu machen, die Jugendlichen aber andererseits zu ermutigen, aus ihren Gruppen herauszutreten, sich individuell darzustellen und in neuen Konstellationen Gemeinsamkeiten untereinander zu finden. Ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse setzten die Jugendlichen in schauspielerischen Szenen um und präsentierten sie zum Abschluss des Workshops öffentlich in der Aula der Anne-Frank-Schule.

Alle Jugendlichen ließen sich auf dieses Theaterexperiment sehr bereitwillig ein und arbeiteten konstruktiv mit. Die Teamaktivitäten, u.a. im Kletterpart oder beim Kanufahren, waren für viele Neuland, doch die Gemeinschaft motivierte sie, sich zu überwinden und an den Aktivitäten teilzunehmen.

In den Fragebögen, in denen die Jugendlichen ihr Feedback zu dem Projekt geben konnten, drückten alle ihre Zufriedenheit mit der Teilnahme aus. Sie hoben hervor, dass es für sie wichtig war, neue Menschen aus anderen Gruppen kennengelernt zu haben und damit Barrieren abzubauen. Für die Sinti/Roma war es eine besondere Erfahrung, eine solche gemeinsame Reise zu unternehmen, und sie begeisterten sich für das Theaterspielen. Ein wesentlicher Gewinn dieser Woche für die Schüler der deutschen Mehrheitsgesellschaft war die Bereitschaft, sich selbst zu öffnen, und die Erfahrung, dadurch auch ein anderes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Viele von ihnen drückten ihren Vorsatz aus, sich schneller auf Neues einlassen zu wollen, weil die Zeit so schnell vergehe und sie Chancen sonst nicht voll nutzen könnten. Die Israelis wiederum erlebten ein anderes Land und eine andere Kultur und entwickelten neue Freundschaften. Für das Projekt waren sie ein wichtigen Katalysator, begegneten sie doch den beiden anderen Gruppen vorbehaltloser und konnten dadurch als Brückenbauer dienen.

Die Abschlussvorführung vor Publikum sorgte zwar bei einigen Jugendlichen im Vorfeld für Unsicherheit, war jedoch ein pädagogischer Kernbaustein, damit alle Teilnehmer, auch und gerade die weniger extrovertierten Persönlichkeiten, möglichst viel für die eigene Entwicklung aus dem Workshop mitnehmen konnten.

Fazit: Ein Pilotprojekt, das viele Anregungen, Anstöße und Erkenntnisse geliefert hat.
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